Frankfurter Peinliche Halsgerichtsordnung

Im Folgenden soll kurz das spätmittelalterliche Frankfurter Peinliche Halsgerichtsordnung dargestellt werden.

Auszüge aus den Waldgesetze um Frankfurt an der Grenze vom Mittelalter zur Neuzeit:

Auf das Schälen und Beschädigen der Bäume war in den Waldgesetzten der hohen Mark folgende Strafe gesetzt: „Es soll niemand Bäume schelen, wer es thut , dem soll man seinen Nabel aus seinem Bauch schneiden, und ihn mit demselben an den Baum nächlen und denselben Baumscheler um den Baum führen, so lang biß ihm seine Gedärme alle aus dem Bauch gewonnen sind.“

Nicht ganz so streng sind die Gesetze in der Dreieich: „Wo man eynen Drucker begriffe oder einen Hokkenjäger, dem sall man yglichen die rechte Hand abslahen, einem lauser den rechten Daumen, und waz in synem Huß were, unter den Schiffbalkenn daz sall eines Forstmeisters syn.“

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Im Mittelalter wurde das Strafrecht als Privatangelegenheit der Beteiligten angesehen. Der Strafprozess trug daher privatrechtliche Züge: War das Opfer nicht bereit oder in der Lage, einen Prozess anzustrengen, so kümmerte sich der Staat nicht um die Tat. Auch konnte die Tat statt durch Strafe durch Bußzahlungen (auch bei Mord und Totschlag) an Opfer oder Hinterbliebene gesühnt werden. Im Laufe des 14. Jahrhunderts wurde der Einfluss des römischen Rechts stärker. Aus dem Thing (Volks- und Gerichtsversammlungen nach dem alten germanischen Recht), über die fränkische Gerichtsbarkeit (Schöffengericht, Marktgericht usw.), zu dem heutigen System mit Richter, Ankläger und Anwälte. Mit der Peinliche Halsgerichtsordnung Kaiser Karls V., auch Constitutio Criminalis Carolina genannt von 1532, wurde das Rechtssystem im ganzen Reich eingeführt. Im Privatrecht (Familienrecht, Forst und Grundrecht usw.) halten sich, bis zum heutigen Tage, Besitzansprüche und Gewohnheiten die schon im Frühmittelalter auf dem Thing verhandelt wurden. So trafen sich die Herren der hohen Mark noch im 18. Jahrhundert auf einem Feld in der Mark, wie es seit 1000 Jahre Gewohnheit war.
Aus der Geldstrafe, auch bei Mord, wurden sehr harte Leibstrafen und aus einem „schmerzhaften“ Verhör die brutalste Folter. Erstaunlicherweise wurde für die Schuldhaft, für die es Privatgefängnisse gab, auch nach heutigen Maßstäbe sehr humane Regeln aufgestellt.

Hier ein kurzer Auszug aus den Straftaten und deren Folgen im 15. Jahrhundert:

Wegen Ketzerei 1453 wird ein Jude auf einer Kuh herumgeführt und verbrannt.

1409 wird eine Magd angeklagt weil sie ihr Kind an einen jüdischen Zauberer verkauft haben soll. Nach einem peinlichen Verhör wird sie freigesprochen. Der Jude, ohne Untersuchung, zu Friedberg verbrannt.

1486 wird ein Tausendkünstler zur Messe als Zauberer verurteilt, wird in den Main geworfen. Im selben Jahr wird ein Kaufmann wegen falscher Wechseln ebenso in den Main gestoßen und ein Falschmünzer in Öl gebraten.

Im Jahre 1495 wird der Jude Seligmann wegen Geldbeschneiden auf den Scheiterhaufen gebracht.

1444 werden Salomo und Joseph wegen Diebstahl an den Beinen zwischen Hunden (es wurde bei anderen Hinrichtungen auch Schweine verwendet) aufgehängt.

1493 wird ein Bote aus München wegen einem fleischlichen Vergehen mit einer Jüdin auf den Scheiterhaufen gebracht. Die Frau konnte fliehen.

1487 musste der Peter Becker nach seinem Ausruf: „Es syen noch mehr Diebe in dem Rath.“, seinen Kopf auf dem Rabenstein hergeben.

Ohrenabschneiden geschah wöchentlich auf einem Hügel vor dem Galgentor.

Selbstmörder durfte in der Stadt nur der Stöcker bewegen. Geschah es in einem Haus durfte der Leichnam das Haus nicht durch die Tür oder Fenster getragen werden, sondern es wurde ein „Tunnel“ unter der Türschwelle gegraben. Der Leichnam wurde in einem Fass von der Brücke geworfen oder unter dem Galgen verbrannt.

Für das 16. Jahrhundert liegen folgende Zahlen vor: Gehängt 131, Enthauptet 53, Ertränkt 41, Gerädert 16, Verbrannt 7 und lebendig begraben 1. Die Zahl der Personen die verstümmelt wurde ist unbekannt.

Trotz der Härte und Zahl der Urteile gilt das Frankfurter Gericht nicht als besonders hart. So wollte im Jahre 1494 der Herr von Epstein einen Bauer, weil er in seinem Bach Krebse fing, den Kopf abschlagen lassen und verlangte dazu den Frankfurter Scharfrichter. Doch der Rat schlug die Bitte des Herren mit der Begründung aus: „ Der Arme könne des bloßen Krebsfangens wegen, den Rechten nach, nicht hingerichtet werden.“. Oder: 1502 wurde der Arzt Joseph zum Zungenabschneiden und Augenausstechen, wegen „er habe sich unschicklich gehalten“, verurteilt. Die jüdische Gemeinde kaufte ihn für 400 Goldgulden frei. Mit solchen Absagen an die Gerichte unserer Region konnte man ganze Bücher füllen.

Doch wer glaubt das es grausamste Strafen und Urteile waren, soll die Reformation abwarten. zB trotz den engen Regeln der Constitutio Criminalis Carolina wurden Zauberei in protestantischen Gebieten schon bei Verdacht auf Anwendung beim Blutgericht verhandelt und in katholischen Landesteile erst bei Nachweis das ein Mensch durch Zauberei zu Schaden gekommen ist. Dafür war in katholischen Landesteilen beim Verdacht auf Ketzerei, der Weg zum Scheiterhaufen kürzer. Auch wurden die Strafen nochmals brutaler. So wurden die Anführer des Fettmilch-Aufstandes 1616 zum Tode verurteilt öffentlich erst geköpft und gevierteilt. Die vier Teile von Fettmilch an den Warten aufgehängt, sein Haus niedergebrannt und die Köpfe der Anführer sind bis zur Kindheit Goethes am Brückenturm ausgestellt.

Quellen:
Anton Kirchner: Geschichte der Stadt Frankfurt, 1807-1810
Georg Ludwig Kriegk: Frankfurter Bürgerzwiste und Zustände im Mittelalter, 1862
Jacob Grimm: Weisthümer, 1840–1872
Johann Georg Battonn: Oertliche Beschreibung Der Stadt Frankfurt Am Main, 1861-1875

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