Die Römerberg Ostzeile auf Photos.

1 Großer und Kleiner Engel
Das Haus Großer und Kleiner Engel mit der Adresse Römerberg Nr. 28 wurde 1562 erbaut. Vom 16. bis ins 19. Jahrhundert hieß es auch Die Wechsel oder Zum Wechsel, nach einer dort gelegenen Wechselstube. Es steht auf drei Seiten frei auf einer Grundfläche von 47 m². Bei einer Rekonstruktion 1905 wurden die ursprünglich als Doppelhaus konstruierten Häuser Großer Engel und Kleiner Engel zusammengelegt und das reich verzierte Fachwerk des ersten Obergeschosses freigelegt. Das bei der Rekonstruktion 1981 bis 1983 freigestellte Fachwerk der beiden oberen Vollgeschosse und der beiden Dachgeschosse ist eine Neuschöpfung, da die genaue Konstruktion der früher verschieferten Fassade nicht dokumentiert ist.

2 Goldener Greif
Das Haus mit der Nr. 26 wird Goldener Greif genannt. Es wurde 1562 erbaut und beherbergte ehemals eine Apotheke. Im 18. Jahrhundert wurde es umgebaut und ab 1981 möglichst historisch neu aufgebaut. Das Gebäude wurde verputzt und im Giebel ist es mit Schiefer verkleidet.

3 Wilder Mann
Der Name der Nummer 24 ist Wilder Mann. Das Gebäude wurde im 16. Jahrhundert als gotisches Haus mit Erdgeschosshalle erbaut. Um 1800 wurde es entweder bedeutend umgebaut oder gänzlich neu errichtet. Es ist verputzt und hat als einziges ein traufständiges Dach mit vier Mansarden, was ihm ein barockes klassizistisches Gepräge gibt. In den Obergeschossen befinden sich Sichtbalkendecken. Die Fenster sind regelmäßig angeordnet. Beim vorherigen Gebäude wurde vermutlich im 18. Jahrhundert das Fachwerk verputzt.

Samenhändler

Auf vielen der alten Ansichten des Römerberges sieht man, neben den Gaststätten, die Firmenschilder der Samenhändler „Deumer & Wirth“ und „L. C. Kahl“ an den Fassaden.

Selbstständige Samenhandlungen in Frankfurt gibt es erst im späten 18. Jahrhundert in der Stadt. Vorher wurden die gewöhnliche Gemüse- und Blumensamen direkt beim Gärtner bezogen, welche sogar ab 1589 für Zwiebel ein besonders Buch führten. Ausländische Gemüse- und Blumensamen wurden von Materialisten, die sich später in Apotheken, Spezereiwaren und Drogerien, aufteilten gekauft. Baumsamen mussten direkt von Händler in Nürnberg bezogen werden, wo es bis 1806 auch ein besonderes Samenschau-Amt gab. Die ersten richtigen Samenhändler sind Johann Daniel Pfefferkorn, der 1779 im Haus Römerberg 28 sein Geschäft eröffnete und kurz darauf die Firma „Dancker & Clare“ am Römerberg 30.

Johann Daniel Pfefferkorn

Einer der Grundsteine für die Samenhändler und Kunstgärtner Sippen in der Ostzeile, legte der Kunstgärtner Johann Daniel Pfefferkorn (*1746 in Mühlheim; † Bestattung 21.04.1801 in Frankfurt) . Johann Daniel Pfefferkorn war der anfangs uneheliche Sohn vom Hauptmann und Regimentsquartiermeister Georg Andreas Pfefferkorn aus Mühlheim und der Anna Sophie Volk. Obwohl sein Großvater der hiesige Prediger Johann Andreas Pfefferkorn (*21.11.1688 in Creuzburg; † 13.03.1749 in Frankfurt) in der Katharinenkirche ein angesehener Bürger war, hinterließ der Vater bei seinem frühzeitigen Tode, der Mutter und seinem Söhnchen kein Vermögen. Anna Sophie Volk versuchte mit ihrem Sohn ihr Glück in der Stadt Frankfurt zu finden und kam bei einem Wirt unter, doch schon nach einer kurzen Zeit verstarb auch die Mutter. Dieser, uns mit Namen unbekannter Wirt, zog den kleine Johann Daniel auf . Nach 1766, da war Johann Daniel 20 Jahre alt, wurde er von seinem Ziehvater als Handlanger auf die Baustelle der Senckenbergische Stiftung am Eschenheimer Turm geschickt, wo er auch als Arbeiter anfing. Johann Daniel war der schweren körperliche Arbeit nicht gewachsen, doch da er schreiben und rechnen konnte wurde er in der Bauleitung eingesetzt. Diese Arbeiten verrichtet er so gut, dass er dem Bauherr Senckenberg, der auch sein Geschick für Pflanzen entdeckt, auffällt. Doch schon bald stirbt auch sein Förderer bei einem Unfall. Senckenberg musste sehr viel von Johann Daniel gehalten haben, da er noch zu seinen Lebzeiten seinen Freund Dr. Lehr den ungewöhnlichen jungen Mann empfahl. So sah sich Dr. Lehr verpflichte ihn väterlich zu unterstützen. Johann Daniel arbeitete hart, war sehr sparsam und mit der Hilfe von Dr. Lehr konnte er auch eine Samenhandlung (Römerberg No. 24) im Jahr 1779 eröffnen und sich später sogar einen Garten am Eschenheimer Tor leisten.

Auch wenn Johann Daniel Pfefferkorn in Mühlheim geborenen wurde, stammt die Familie Pfefferkorn aus dem Amt Creuzburg in Thüringen, wo sie Jahrhundertelang als Metzger und Pastoren bis in das 15. Jahrhundert nachweisbar sind.

Seine Tochter Anna Philippine heiratet mit dem Johann Heinrich in die Familie Deumer ein, seine Tochter Anna Barbara in die Familie Stumpf und seine Schwiegertochter Johanna Maria brachte die Samenhandlung von Johann Daniel jr. , am Römerberg 24, in die Ehe mit L. C. Kahl ein. Unter seinen Nachfahren finden sich Rechtsanwälte, Philosophen, Bildhauer, Ärzte und mit Dr. jur. Rudolph Pfefferkorn auch einer der Gründer des Frankfurter Zoo.

Nach dem Tod von Johann Daniel Pfefferkorn übernahm sein Sohn Johann Daniel Pfefferkorn (*2.3.1783 in Frankfurt; † 1.7.1821 in Frankfurt) die Samenhandlung auf dem Römerberg, die er bis zu seinem Tode 1821 führte. Bereits 1823 heiratet seine Witwe Johanna Marie Pefferkorn geb. Wunderlich den Kaufmann Ludwig Kahl aus Büdingen, der die Handlung unter dem Firmennamen „L. C. Kahl“ weiterführte. Nach der Scheidung von Johanna Marie Wunderlich vormalige Pfefferkorn 1841und jahrelanger Prozesse, behielt Ludwig Kahl die Samenhandlung und das Haus und vererbte es an seinen Sohn Carl Wilhelm Kahl, der es zusammen mit seiner 2. Frau Josepha geb. Wirth bis zu seinem Tode im Jahr 1875 führte. 1875 verkaufte Josepha Kahl das Haus an die Handelsmänner Louis Forster und Jacob Weyer. Die Samenhandlung L. C. Kahl bestand bis 1917 auf dem Römerberg und hatte ungefähr ab dem Jahre 1910 auch eine Filiale in der Hasengasse 8.

Der Laden am Römerberg stand nach der Schließung mehrere Jahre leer bis Mitte der 20er Johanna Steinert ihre Kunstgewerbehandlung „Dürerhaus“ dort hatte.

Johann Daniel Pfefferkorns Ehefrau Johanna Marie Wunderlich war die Schwester von Johann Wilhelm und Johann Philipp Wunderlich, die 1823 die Samenhandlung „J. W. Wunderlich“ auf dem Markt 25 gegründet haben. Die Firma Wunderlich kaufte später noch „S & J Rinz“ auf und bestand bis ca. 1980 im fremden Besitz auf der Bergerstraße.

Johann Daniel Pfefferkorn Seniors Tochter Anna Barbara (*26.2.1797 in Frankfurt; † 28.8.1864 in Frankfurt) heiratete 1826 den Ehrenreich Stumpf (*17.2.1790 unbekannt; † 12.12.1826 in Frankfurt) und eröffnete wahrscheinlich schon kurz darauf mit ihrem Mann eine eigene Samenhandlung auf dem Römerberg 28.

Vermutlich stammte Ehrenreich Stumpf vom Frankfurter Bender Abraham Stumpf ab der im späten 17. Jahrhundert neben dem Weidenhof auf der Zeil sein Haus und Werkstatt hatte. Seine Nachfahren in direkter Linie zu Ehrenreich waren Kirchenmusiker und Türmer der Katharinenkirche und alles andere als Wohlhabend, der wahrscheinlich mit dem Erbe seiner Ehefrau Anna Pfefferkorn zu einem bescheidenden Wohlstand gekommen ist. Trotzdem wurde dieses Geschäft im Jahr 1855 von den Kaufleute Deumer & Wirth aufgekauft.

Mit Ehrenreich Deumer und Jakob Friedrich Eduard Wirth traten nun zwei neue Familien in die Samenhändler Szene ein. Über Jakob Wirth ist wenig bekannt, nur das er in Hanau geboren wurde und eine Maria Stumpf geb. Heil geheiratet hatte, deren Sohn Friedrich Adolph Wirth wurde Schreinermeister und hatte später zeitweise sein Sarglager im Haus Römerberg 28.

Die Fuhrmann- und Gärtnerfamilie Deumer stammt aus Michelstadt und ist dort bis Mitte des 17. Jahrhundert nachgewiesen. Um 1750 kommt der erste Deumer als Fuhrmann nach Frankfurt und dessen Enkel Johann Deumer heiratet als Bendermeister Anna Philippine Pfefferkorn jun. im Jahre 1829 und deren Sohn Ehrenreich Deumer heiratete die Metzgertochter Anna Mohr.

1906 schloss die Samenhandlung „Deumer & Wirth“ auf dem Römerberg und eröffnete einen Laden in der Hasengasse 7. Zwischen 1906 und 1910 wurde an dem Haus Römerberg 28 Arbeiten durchgeführt und im Jahre 1910 eröffnete Georg Knapp seine Antiquitätenhandlung in dem Ladengeschäft.

Wie man sehen kann waren die Familien Pfefferkorn, Stumpf, Deumer und Wirth über alle möglichen Ecken verwandt und über Hausbesitz geschäftlich verbunden. Vom Mitte des 19. Jahrhundert bis in die 1930er Jahre waren die Häuser Römerberg 24 bis 28 immer im Besitz eines Deumers oder Wirths.

4 Kleiner Dachsberg und Schlüssel
Die Nummern 20 und 22 werden Kleiner Dachsberg und Schlüssel genannt. In der Brunnenrolle 1541 werden sie als Doppelhaus unter einem Dach erwähnt. Die ehemalige Teilung ist auch beim heutigen Bau nachempfunden. Man kann sie an der Fensteranordnung, besonders im Giebelfeld und im Erdgeschoss, erkennen. Sie ist auch durch Verdoppelung des mittigen Pfostens sichtbar gemacht worden. Das bis 1944 verschieferte Gebäude ist durchgehend mit Sichtfachwerk in historisch nicht belegter Konstruktion versehen, welches künstlich gealtert wurde. Es wurde nicht wie historische Vorbilder mit Lehm- oder Backsteinausfachungen ausgeführt, sondern mit Leisten, Dübel, Platten und Hohlräumen. Im Erdgeschoss befindet sich eine Erdgeschosshalle, in welcher eine Gaststätte eingerichtet ist.

5 Großer Laubenberg
Das Haus mit der Adresse Römerberg Nr. 18 wird Großer Laubenberg genannt. Es ist das ehemals älteste Haus am Samstagsberg und wurde vor 1500 errichtet. Das Erdgeschoss und die erste Etage wurden im 18. Jahrhundert umgebaut. Das Gebäude besitzt niedrige Geschosse und ein Krüppelwalmdach. Das Fachwerk enthält mit überkreuzten, gebogenen Eckstreben und Viertelkreis-Fussbänder, typische Merkmale dieser Zeitepoche, ist aber nicht historisch nachweisbar, da das Haus bis 1944 verschiefert war. Die Giebelspitze ist verschiefert.

Gaststätten

Gaststätte „Zur Rose“ Römerberg 16 der Familie Heyland.

Vor 1869 befand sich die „Schreinerei W. C. Schramm“ (Wilhelm Conrad Schramm, wohnaft in der Gr. Friedberger) im Haus Römerberg 16.

Der pensionierte Lokführer Georg Friedrich Heyland aus Giessen kauft das Haus Römerberg 16 und eröffnet 1872 von einem Lottogewinn die Apfelweinwirtschaft „Zur Rose“ im Hause Römerberg 16.

Als am 28.5.1892 Georg Friedrich Heyland stirbt übernimmt seine Frau Elisabethe die Gaststätte, bis in den 1920er Jahre ihr Sohn Karl Heyland sen. die Leitung erhält.

Nach dem ersten Weltkrieg bis ca. 1927 war der Rittmeister von Brüning, Berlin Besitzer des Hauses und danach wieder Karl Heyland sen..

21.1.1932 Erfolgt die Ablehnung des Bauantrages zur Terrassenerweiterung (Richtung Haus Schwarzer Stern) von Karl Heyland, durch den Unterausschuss zur Erhaltung des Stadtbildes und von Bauwerken.

20.4.1932 Der Bezirkskonservator Prof. Dr. Wichert beschwert sich über die signalrote Farbe des Hauses Römerberg 16. Wichert vermutet eine Protestaktion durch den Besitzer, da ihm kurz zuvor ein Bauantrag abgelehnt wurde.

1933 Musste Karl Heyland den Vorsitz der Vereinigung der Äpfelweinkeltereien mit eigenem Ausschank Frankfurt am Main und Umgebung e. V. (gegr. 1919) abgeben und bringt in einer Nacht- und Nebelaktion die Vereinskasse vor den Schergen der Nationalsozialisten in Sicherheit.

Die Wirtschaft ging in den Bombenangriffen ein.

Gaststätte „Zum Standesämtchen“ Römerberg 18.

Ab 1876 führte Christoph Böckel die erste Gastwirtschaft in dem Haus, es folgten ab ca. 1878 Gustav Hein der bis dahin als Schuhmacher tätig war. Später führte Friedrich Riehl das Lokal bis im Juni 1903 Josef Julius Schweitzer der neue Wirt wurde. Josef Julius Schweitzer kam vermutlich erst um 1901 aus Hardheim bei Mosbach und führte für zwei Jahr ein Lokal in der Ostendstr. 83.

Die ganze 1930er Jahre gab es einen Nachbarschaftskonflikt (incl. anonyme Anzeige bei der Gestapo) mit dem Wirt und Besitzer der Gaststätte „Zur Rose“ ( Römerberg 16, Karl Heyland sen.) wegen der Terrasse vor dem Haus Römerberg 16. Offenbar gab es für die Terrasse der Wirtschaft keine Baugenehmigung, sondern nur eine Erlaubnis zur Aussenbewirtschaftung mit Sonnenschutz.

Die Wirtschaft ging in den Bombenangriffen ein und wurde nach dem Wiederaufbau von einem neuen Betreiber im Römerberg 16 wiedereröffnet.

Gaststätte „Zum Dürerhaus Römerberg 24

Nachdem das Haus länger Leer stand und in den Besitz von „Frank & Baer“ überging, eröffnete Jacob Rühl 1887 die erste bekannte Gastwirtschaft in dem Haus. Ab ca. 1900 folgten Johann Müller, Dörflein, Th. Biringer (1907/08), Dammbach, Barth, Seitz, Bott als Wirte, bis im Januar 1933 Gottlieb Walz die Wirtschaft an Karl Heyland jun. übergibt. Bis 1933 trug die Gaststätte den Namen „Zum Römer“, danach nannte Karl Heyland jun. sie „Zum Dürerhaus“. Im November 1937 nahm 4 Räumen im 1. Stock des Hauses Römerberg 20/22 hinzu und baute sie zu Gasträumen um. Am 4.2.1941 wird Karl Heyland zur Wehrmacht eingezogen und seine Frau Katharina schließt das Lokal bis zum Sieg. Nach dem Krieg, ab ca. 1954 führt Karl Heyland jr. in der Kaiserhoffstr. 7 das Lokal „Carlo“ (heute befindet sich dort das Ristorante Gallo Nero ) und in der Gartenstr. 14, die auch seine Wohnanschrift war, eine Weingroßhandlung.

6 Kleiner Laubenberg
Der Name der Nummer 16 ist Kleiner Laubenberg. Er wurde erstmals 1381 erwähnt und hieß im Laufe der Zeit auch Altes Backhaus, Blumenstein und Kleine Garküche. Das Fachwerk ist balkenbündig und flächig verputzt und fällt durch dünne Balkenquerschnitte auf. Kurios ist, dass der Kleine Laubenberg weitaus größer ist als der Große Laubenberg. Das liegt vermutlich daran, dass der Kleine Laubenberg ursprünglich nur die vordere Haushälfte zum Römerberg umfasste und zwischen 1544 und 1581 mit dem zum Rapunzelgäßchen gelegenen Hinterhaus zusammengeführt wurde.

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