Die Anfänge des Buchdrucks zu Höchst am Main.

1 Einleitung

Die Einführung der Buchdruckerkunst in das kurmainzerische Höchst erfolgte nach der vorliegende Literatur im Jahr 1599. Der erste Drucker der uns in der Literatur1 genannt wird ist der Buchdrucker Balthasar Lipp aus Mainz und endet bereits um das Jahr 1662, als die Druckerei dem Nikolaus Heyl dem Jüngeren gehörte. Die Geschichte von Höchst als Stadt der Buchdruckkunst war nur kurz und die Liste der Bücher oder sonstiges Druckwerk ist noch kürzer. Ob es an der Lage von Höchst zwischen den Druckzentren Frankfurt und Mainz lag, den Wirren des 30 Jährigen Krieges oder das Unvermögen der Besitzer, lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit klären. Wahrscheinlich war es eine Mischung von vielen Gründen, das der Buchdruck in Höchst keine Blüte erreichte. Erst um das Jahre 1768 unter Kurfürst Emmerich Joseph von Mainz und dem Zuzugs der Tabakfabrik der Bolongaros erneut eine Druckerei erstand.

2 Balthasar Lipp der Buchdrucker

Lipp wurde in Hitzleried bei Füssen im Allgäu geboren und kam vor 15872 nach Frankfurt/M. Von seinem ersten Nachweis in Frankfurt und seiner Einbürgerung am 12.11.15903, war Lipp bei Sigmund Feyerabend bzw. bei dem Verlag Feyerabend`schen Erben4 beschäftigt. Ob er bereits das Druckhandwerk erlernt hatte bzw. dort erlernte oder im kaufmännischen Bereich tätig war, lässt sich nicht mehr sicher klären.

Sicher ist, das er vor dem 27.5.15955 drei Buchpressen aus dem Umfeld von Johann Feyerabend gekauft hat. Hinter diesem Kauf stand wohl der Wunsch der katholischen Geistlichkeit, in einem Zinshaus des Bartholomäusstifts eine Druckerei einzurichten. Die städtische Konzession zum Betrieb der Druckerei wurde Lipp nachträglich erteilt. Im März 1598 wurde dem Rat bekannt6 das die Drucker Zacharias Palthenius und Lipp einige Traktate ohne seine Erlaubnis gedruckt hatten. Besonders Lipp wurde beschuldigt, „papistische legenden“ gedruckt zu haben. Lipp entschuldigte sich mit der Erlaubnis des „Fiscal zu Speir“, womit Dr. Johann Vest gemeint war. Der Rat beschloß den kaiserlichen Kommissaren, zur Buchzensur an den Messen, Ratspersonen beizuordnen. Es waren dies Philipp Rückert, Dr. Kaspar Sacher und Dr. Johann Baptist Caesar7. Am 23. März wurde erneut gegen Lipp und Palthenius verhandelt. Beide Drucker hatten den Druck der ihnen zu Last gelegten Bücher eingestanden und begaben sich freiwillig in Haft, baten aber wegen der anstehende Messe um Freilassung. Diese Bitte wurde ihnen mit der Auflage, sofort 12 Taler Strafe zu zahlen oder nach der Messe in das Gefängnis zurückzukehren, gewährt. Lipp bezahlte wohl die Strafe, aber versuchte mit Hilfe von Dr. Valentin Leucht, den Vertreter des Dr. Johann Vest, die Strafe rückgängig zu machen. Der Einspruch von Dr. Valentin Leucht wurde vom Rat zurückgewiesen. Im Rahmen des Verfahren beschuldigten Lipp und Palthenius den Drucker Wolff Dietrich Caesar ein Buch in Frankfurt gedruckt zu haben, aber „vf den titul gesetzt, als ob es zu Hanaw getruckt were“. Wolff Dietrich Caesar wurde wegen dem Druck der „Teutschen Caluinischen Institutiones“8 zur einer Strafe von 30 Taler verurteilt.

Am 2.5.98 zeigt Lipp beim Rat9 an, das er eine Zeitlang nach Mainz geht, um dort einen Druckauftrag auszuführen und bittet weiter Bürger von FFM bleiben zu dürfen. Lipp erhielt im selben Jahr ein kaiserliches Privileg zum Druck des „Regensburger Reichstagsabschieds10“ durch Rudolf II. und druckte es in Mainz und schon 1601 wurde er Mainzer Bürger. Drucke aus der Presse von Lipp in Frankfurt sind nicht überliefert und es ist offen wie lange die Frankfurter Druckerei noch bestand. Der letzte Nachweis11 über einen Drucker Lipp in der Stadt Frankfurt erhalten wir durch eine Supplikation von Egenolff Emmel12 an den Rat im Dezember 1612. Emmel bezeichnet dort Lipp als „selbständigen Drucker“. Auch wenn man die Förderung13 durch seinen Freund Valentin Leucht und dem Mainzer Erzbischof und Kurfürst Wolfgang von Dalberg bedenkt, muss sie erfolgreich gewesen sein. Lipp war in der Lage in Mainz die Druckerei im Haus „zur Wetterschellen“ am Flachsmarkt zu kaufen, in dem sich die Druckerei Schöffer befand. Nur diese Druckerei war in Mainz berechtigt Lehrlinge auszubilden. Der jeweilige Besitzer war Bücherzensor und ihre Gesellen wurden bei der Mainzer Universität als akademische Mitbürger immatrikuliert.

Lipp erhielt das Privileg für den Wappenkalender des Mainzer Domkapitals und für den katholischen Messkatalog14 der kaiserlichen Buchkommission für Frankfurt. Ferner sind ca. 200 Bücher auf seinen Pressen als Verleger und unter seinen Namen als Drucker erschienen. Das letzte Werk das seinen Namen trägt erschien um 1621 in Mainz und 1622 in Aschaffenburg. Ca. 160815 übernahm Lipp in Ursel16 die Druckerei des Cornelius Sutorius. Nur 2 Bücher (von Georg Scherer, Jesuit aus Österreich und beliebter Prediger) mit dem Druckort Ursel vom Drucker Lipp sind bekannt. Ab 1617 ist wieder ein einheimischer Besitzer der Druckerei erwähnt und 1620 eröffnete Lipp eine Druckerei in Aschaffenburg, die bis zu seinem Tod, im Jahre 1623 bestand. Seine Mainzer Druckerei wurde von Hermann Meres, der schon für Lipp die Aschaffenburger Druckerei geleitet hatte, übernommen und war 1636 im Besitz von Johann Crato Schmidt. 1637 – 1658 führte Nikolaus Heil d.Ä., der auch in Höchst eine Rolle spielen wird, die Druckerei.

3 Die Familie des Buchdruckers Balthasar Lipp

Betrachten wir das Leben des Buchdruckers Balthasar Lipp, so spannt es einen Bogen von seiner Geburt in Hitzleried bei Füssen (Seeg) bis hin zu seinem Tod als angesehener Buchdrucker und Inhaber mehrerer Druckerwerkstätten im Kurfürstentum Mainz. So bekannt uns sein beruflicher Werdegang heute ist, so unbekannt ist das familiäre Umfeld, aus dem Balthasar Lipp stammte. Der immer wiederkehrende Hinweis, dass die Höchster Buchdruckwerkstatt in familiäre Hände übergeben wurde, war für uns besonders interessant und letztendlich die Motivation, die familiären Hintergründe genauer zu betrachten.

Beginnen wir bei Balthasar Lipps Geburt in Hitzleried. Sein genaues Geburtsdatum wird in keinen Textquellen* genannt, ebenso fehlt jeder Hinweis auf seine Eltern. Einen urkundlichen Nachweis für die Geburt und einen Aufenthalt des Buchdruckers Lipp in Hitzlesried bei Füssen ist in den genealogischen Archiven nicht zu finden.Ebenso können keine Hinweise auf seine Eltern oder mögliche Geschwister im Raum Füssen dargestellt werden. Sein Geburtsdatum lässt sich somit nur schätzen und liegt – meines Erachtens – etwa zwischen 1555 und 1565.
Einer der ersten urkundlichen Nachweise für Balthasar Lipp findet sich in seiner Heiratsurkunde aus dem Jahre 1590. Ab 1587 nachgewiesen als Einwohner Frankfurts und bei Johann Feyerabend beschäftigt, heiratete der Buchdrucker am 19. Oktober 1590 die Tochter der Georg (Jorg) Krackers von Marburg – Barbara Krackers – in Frankfurt am Main (Ev. Kirchenbuchamt Hannover, Seitennummer 156 – Balthasar Eip). Seine erste Ehefrau verstarb bereits ein knappes Jahr später, am 18. September 1591, kurz nach der Geburt17 des gemeinsamen namenlosen Kindes. Die Bemerkung im Testament von 160918, das Barbara „blöd und schwach“ vor ihrem Tod war, lässt vermuten das sie während der Schwangerschaft an einer Gestose19 litt.

Bleiben wir bei den Urkunden, die sich weiter zur Person des Buchdruckers finden lassen: Nachweislich heiratet Lipp am 26. August 1613 in Mainz die Appollonia Wetzel, geb. Schnabel, Tochter des Schulheißen Johann Schnabel zu Nieder-Olm (Mainzer Kirchenindexkarten 1585-1807). Auch diese Ehe blieb meines Erachtens kinderlos, es findet sich kein Nachweis für die Geburt eines gemeinsamen Kindes in den genealogischen Archiven. Dies deckt sich mit unseren Textquellen*, die für die zweite Ehe des Buchdruckers keine Nachkommen angeben.

Balthasar Lipp verstarb im Jahre 1623 in Mainz (urkundlicher Nachweis fehlt). Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang der große Abstand zwischen den beiden urkundlich nachgewiesenen Ehen. Da Balthasar Lipps erste Ehefrau Barbara bereits 1591 verstarb, und er nachweislich erst wieder 1613 heiratete, verbleiben knapp 24 Jahre, in denen der Buchdrucker unverheiratet blieb. Dieser Umstand ist erstaunlich und mehr als fragwürdig, lässt sich aber bisher – aufgrund fehlender Urkunden – nicht widerlegen.

Betrachten wir das weitere familiäre Umfeld des Balthasar Lipps:

In einem erhaltenen Testament des Buchdruckers Balthasar Lipps aus dem Jahre 1609 werden Familienmitglieder aufgeführt, die uns Hinweise auf das familiäre Umfeld geben.

Erwähnt ist zunächst eine Schwester der ersten Ehefrau Barbara (ohne Namensangabe), sowie zwei Söhne der Schwester, die Adam und Martin Dumreuter (auch Dhumbreutter / Dhumbreitter) genannt werden und jeweils 500 Gulden bei ihrer Heirat erhalten sollten. Urkundlich lässt sich – auch bei erweiterter Suche – kein Hinweis auf eine Schwester der Barbara Lipp, noch auf ihre Söhne Adam und Martin Dumreuter, finden.

Zeitlich und namentlich passend heiratete eine Elisabeth Krackers am 12. April 1591 in Frankfurt den Joachim Bradhering (Ev. Kirchenbuchamt Hannover, Seitennummer 161). Dieser Umstand ist besonders erwähnenswert, da Joachim Bradhering (Bratthärig)20 ab 1592 in Frankfurt als Schriftsetzter bei Feyerabend`schen Erben beschäftigt war und ab 1603 als Buchstabensetzer in Lipps Mainzer Druckerei tätig, wo er am 30.3.1605 erstarb. Dies lässt eine familiäre Verbindung der Elisabeth Krackers zu Balthasar Lipps erster Ehefrau vermuten. Allerdings wird in Elisabeth Krackers Eheurkunde ihr Vater als Peter Krackers eingetragen, Barbara Krackers Vater als Jorg Krackers. Ob es sich hier um einen zweiten Namen handelt – also ein gemeinsamer Vater Georg Peter Krackers hieß – lässt sich nicht belegen und bleibt damit Spekulation.

Ebenfalls findet sich in Balthasar Lipps Testament von 1609 der Hinweis auf einen Bruder (ohne Namensangabe) des Buchdruckers sowie dessen Nachkommen. Da die Eltern des Balthasars unbekannt sind, und der Bruder und seine Nachkommen namentlich nicht genannt werden, lassen sich leider keine sicheren Schlüsse auf diesen Personenkreis in den genealogischen Archiven finden.

Trotz unsicherer Zuordnung möchte ich in diesem Zusammenhang eine Person aufführen, die zeitlich und namentlich passend mit dem Buchdrucker Balthasar Lipp in Frankfurt auftauchte. In den genealogischen Archiven findet sich am 29. Juli 1588 die Heirat des Heinrich Lips (Lipp) mit einer Eva (Eua, ohne weiter Namensangabe) in Frankfurt am Main (Ev. Kirchenbuchamt Hannover, Seitennummer 132).
Aus dieser Ehe können nachweislich sieben Kinder recherchiert werden, drei Töchter und vier Söhne:
Die Tochter Maria Margreth Lipp durch ihre Taufe am 12. Juni 1589 (Ev. Kirchenbuchamt Hannover, S.115), Anna und Catharina Lipp durch Bestattung am 5. Oktober 1605 (Ev. Kirchenbuchamt Hannover, Seitennummer 601 / 602).

Der Sohn Hans Lipp durch Heirat am 5. Oktober 1613 (Ev. Kirchenbuchamt Hannover, Seitennummer 161), sowie Frantz Lipp durch Heirat am 9. Mai 1617 (Ev. Kirchenbuchamt Hannover, Seitennummer 251).
Besonders erwähnenswert ist der Nachweis von zwei Söhnen des Heinrich Lips und seiner Ehefrau Eva. Beide Söhne werden Balthas genannt und sind nachgewiesen durch Taufe am 7. Juni 1593 (Ev. Kirchenbuchamt Hannover, Seitennummer 250) und am 2. November 1598 (Kirchenbuchamt Hannover, Seitennummer 52).

Die Tatsache, dass das Auftreten der Namen des Balthasar Lipp und Heinrich Lips zeitgleich in Frankfurt erfolgte, und Heinrich Lipp zwei seiner Söhne den Namen Balthas gab, ist ein starkes Indiz für eine verwandtschaftliche Beziehung der beiden Männer. Da jedoch weder für Balthasar, noch für Heinrich Lipp Geburtsurkunden in den Archiven auffindbar sind, bleibt es Spekulation.

Ebenfalls Erwähnung finden in Balthasar Lipps Testament von 1609 seine Schwestern Anna und Christina Lipp. Trotz intensiver Recherche sind die beiden Personen weder in Hitzlesried bei Füssen, im Frankfurter Raum oder im Mainzer Kurfürstentum nachweisbar.

Auch die erweiterte Suche in genealogischen Foren brachte keine Ergebnisse.

Neben dem Testament des Balthasar Lipps finden wir in unseren Textquellen* noch einen familiären Hinweis.
Kurz nachdem Balthasar Lipp in Mainz verstarb, verkaufte ein „Vetern und Schwager“ aus Seeg / Füssen seinen Anteil an der Lipp’schen Druckwerkstatt. Sein Name lautet Michael Enders, seine Ehefrau wird Maria benannt. Weder rund um Füssen noch im Mainzer oder Frankfurter Raum lässt sich das Ehepaar sicher zuordnen. Hier zeigen sich erneut die Schwierigkeiten aus den fehlenden Abstammungsurkunden des Buchdruckers Balthasar Lipp.

Fazit:
Trotz intensiver Recherche und Nutzung sämtlicher genealogischer Archive, die mir in digitalisierter Form zur Verfügung stehen, misslingt die Darstellung des familiären Umfeldes von Balthasar Lipp.
Mehrfach finden wir in unseren Textquellen den Hinweis auf einen Schwiegersohn oder Neffen (Adam Dumreutter) des Buchdruckers Balthasar Lipp, der die Buchdrucker-Werkstatt in Höchst im Jahre 1614 übernahm.

Da sich keine gesicherte familiäre Verbindung darstellen lässt, kann über die genaue verwandtschaftliche Beziehung nur spekuliert werden. Ebenso führt der Hinweis, Adam Dumreutter hätte im Jahre 1614 in Höchst die Schwester des Alban Schöffer geheiratet, in den genealogischen Archiven zu keinem Ergebnis.

Im Rahmen der Recherche stieß ich auf eine Mainzer Kirchenindexkarte, die vermutlich ins weitere familiäre Umfeld des Balthasar Lipps führt und der Vollständigkeit halber hier Erwähnung finden sollte.
Es handelt sich um einen Eintrag der Heirat des Johann Schnabel – Buchdruckergeselle -, der am 14. Juni 1668 die Tochter des Buchdruckers Nikolaus Heyl ehelicht. Nicolaus Heyl steht in der Nachfolge der Höchster Druckwerkstatt und Schnabel war der Mädchenname der zweiten Frau des Balthasar Lipps.
Ein familiärer Zusammenhang ist durchaus in Betracht zu ziehen. Da wir in diesem Fall bereits zeitlich zu weit entfernt sind von den Anfängen der Höchster Druckwerkstatt, habe ich hierzu keine weiteren Recherchen getätigt.

4 Die Höchster Druckerei

159921 erfahren wir zum ersten mal das Lipp sich in Höchst aufhält. Nach einem Eintrag der Höchster Zollschreiber geriet Lipp auf dem Mainzer Marktschiff in einen Religionsstreit mit dem Frankfurter Notar Sebastian Brenner. Wir können bei dem Streit nur raten um was es ging, aber wir erinnern uns das Lipp als Katholik auf Seiten der Gegenreformation aktiv gewesen sein dürfte. Brenner aus dem lutheranischen Frankfurt zog im katholischen Höchst den kürzeren und wurde schuldig gesprochen.

Nach Rudolf Schäfers Chronik22 von Höchst soll Lipp im Jahr 1599 seine Druckerei in Höchst eröffnet haben. Übernahm er, wie später in Oberursel, eine Druckerei? Richtete er selber eine ein? Bestand in diesem Jahr überhaupt eine Druckerei? Erhielt er in Mainz das Privileg für eine Druckerei in Höchst? Wo war die Druckerei?

In einer Höchster Einwohnerliste23 von 1609 wird Lipp, oder dessen Faktor, zum ersten mal als Buchdrucker aufgeführt. Sein Neffe Adam Dohmbreuter, vermutlich der genannte Faktor, wird in den Einwohnerlisten24 zwischen 1609 bis 1621 aufgeführt. Ob Lipp erst 1609 eine Druckerei eröffnete und es schon davor eine Druckerei in Höchst gab, lässt sich nicht genau klären. Doch die Höchster Einwohnerlisten von 1595 – 1643 geben uns den Hinweis auf einen anderen Drucker bzw. Druckerei25. Im Jahr 1615 wird ein „Konrad Johann: seine Witwe“ und ohne Jahresangabe ein „Konrad Johann, Druckerei (successor26)“ genannt.

Aus diesen Einträgen erfahren wir das 1615 eine Witwe von Konrad Johann lebte und dieser Konrad Johann wohl eine Druckerei betrieben hatte. Leider hat Lorenz Ernst seine Arbeit erst 1963 in den Höchster Geschichtsheften nach seinen Notizen, die originalen Listen wurden zum Teil im 2. Weltkrieg im Frankfurter Stadtarchiv zerstört, veröffentlicht. Die beiden Einträge lassen sich keiner der von den Einwohner- oder Steuerlisten die Ernst zu Verfügung standen zuordnen. So ist auch nicht zu klären in welchem Kontext der Eintrag „Konrad Johann, Druckerei (successor)“ zu verstehen ist. Als gesichert kann man betrachten das Konrad Johann vor dem Jahre 1615 gestorben ist. Doch wie kann man den Eintrag „Druckerei (successor)“ verstehen? Lipp und sein Neffe Adam sind gesichert als Buchdrucker ab 1609/10 in Höchst nachweisbar und dort tätig. Vielleicht übertrug Lipp vor oder um das Jahr 1614 die Geschäftsleitung in Höchst an seinen Neffen. In diesem Jahr wurde Adam durch die Heirat mit der Schwester des Höchster Zimmermanns Alban Schöffer Bürger, Kurmainzer Untertan und voll Geschäftsfähig in der Stadt. So lässt sich vermuten das bei einem Eintrag zu Lipp oder seinem Neffen der Vorbesitzer der Druckerei (Konrad Johann) in einer der Listen genannt wird.

Ab 1610 läßt sich ein erster Nachweis über die Geschäftstätigkeit von Lipp in Höchst tätigen. In diesem Jahr erscheinen die drei Bücher: „Ad illustrem tit (…) Excusum in ostio aureae Moguntiae quod est in citeriori Mogani Ripa“, „Historia deiparae virginis Marie. Ad veriatatem (…) Excussum in Ostio aureae Moguntiae, quod in altiori Moeni ripa est, typis Bathasaris Lippii. Sumptibus vero Zachariae Palthenii.“ und „De aniversariis et capellaniis (…) Ostti Moguntinorum apud Balthasarem Lippium, expensis Palthenianis.“. Die Bezeichnung: „in ostio aureae Moguntiae“ oder „ostii Moguntinorum“ spielen auf die östliche Lage von Höchst an und sind nach Roth und Benzing nur ein Pseudodruckort, wogegen Richter bei den beiden letzten Werken vermutet das sie auch in Höchst gedruckt wurden.

1615 erscheint das erste und einzige offiziell bekannte Druckwerk aus Höchst von Lipp bzw. seinem Neffen Adam das auf den Titel angibt in Höchst gedruckt worden zu sein: Pius Felix Caesars „Rechtliche Deduction … ob bey dem … unwesen in … Frankfurt die Redlinsführer … vor der … Reichs Aacht gefreyt seyen oder nicht“. Gegenstand sind die verfassungsrechtlichen Fragen zum Frankfurter Fettmilchaufstand und als Drucker wird Adam Dhumreitter, der Neffe Lipps, genannt.
1621 oder 1622 starb Adam noch vor Lipp, und nach der Schlacht von Höchst lag das Geschäft wohl danieder. Die genaue Besitzverhältnisse und Abläufe im Zeitraum 1615 bis 1621/23 sind nicht geklärt. Vermutlich ging die Druckerei von Lipp im Jahr 1622 an eine Eva Lipp und ihren Ehemann Peter Josef Dumreuter über. F.W.E Roth27 nennt in seiner Arbeit von 1910 das Eva Lipp als Lipps Tochter sein soll und ihren Ehemann einen Buchdrucker Peter Josef Dumreuter, der 1622 ein Privileg für die Höchster Druckerei erhalten haben soll und vermutlich bereits im selben Jahr verstarb. Da Adam 1621/22 gestorben sein dürfte und Lipp 1623, ohne Hinweise das sich die Höchster Druckerei noch in seinem Besitz befand28, auch werden die Kinder von Adam Dumreuter 1624 als „nachgelassen“29 bezeichnet, so täte der Ablauf wie ihn Roth beschrieben hat zeitlich passen. F.W.E Roth schreibt, dass kurz danach Nikolaus Heil d.Ä. die Druckerei übernahm und 1641 neu begründete. Nach seinem Ableben erhält sein Sohn Nicolaus Heil der Jüngere am 9.9.166230 ein Privileg für Höchst und ersucht, dass ihm die Real- und Naturalabgaben erlassen werden. Dies wird am 13.9.1662 vom Kurfürst Johann Philipp gewährt. Eine Drucktätigkeit oder Höchster Auflagen unter der Führung der Heils lässt sich nicht nachweisen.

Bereits 1952 stellt sich J. Benzing in seinem Werk die Frage, wer diese Eva Lipp und Peter Josef Dumreuter sind, ohne eine Antwort finden zu können. Vermutlich sind die Höchster oder Mainzer Urkunden die Roth 1910 zu Verfügung standen im Krieg verlorenen gegangen und das so gründlich, obwohl die Namen Adam, Martin und Peter Josef Dumreutter bekannt sind, das nichts über die Familie Dumreutter zu finden ist.

In der älteren Literatur wird bei der Höchster Druckerei geschrieben, dass sie mit 4 Pressen ausgestattet war. Laut Dietz besitzen die 8 Frankfurter Buchdrucker im Jahr 1621 zusammen 35 Pressen, so spielt die Höchster auf Augenhöhe mit der Druckerszene in Frankfurt und Mainz. Das die Bücher von 1610 und 1615 nicht die einzige Werke aus Höchst sein könnte, wird aus folgendem deutlich: Im Jahr 1615 übernimmt Johann von den Birghden in Frankfurt das Postmeisteramt und beginnt die Wochenzeitung „Unvergreiffliche Postzeittung“ zu verlegen31. Diese ließ er bei seinem Schwager, dem Frankfurter Drucker Nikolaus Hoffmann, drucken. Der seitherige Drucker und Herausgeber einer Frankfurter Wochenzeitung, Egenolff Emmel, beschwert sich dagegen beim Rat der Stadt Frankfurt. Diese Beschwerde wird 1617 verhandelt. Aus einer Erklärung Birghdens erfahren wir, dass er seine Zeitung jetzt in Höchst drucken lasse, ihm dies aber zu beschwerlich ist und er deshalb um Erlaubnis bittet diese wieder in Frankfurt drucken zu lassen. Emmel versucht durch seinen kurmainzischen Anwalt in Höchst, dem Adam Dhumreiter den weiteren Druck von Zeitungen zu verbieten, bis der Kurfürst persönlich eine Entscheidung getroffen hat. Am 30.1.1617 trifft der Frankfurter Rat das salomonische Urteil, dass beide Drucker auf ihre eigene Gefahr hin ihre Zeitungen drucken können. Die Postzeitung erschien bis in das 19. Jahrhundert und das älteste bekannte Exemplar stammt aus dem Jahr 1621. Sollte die Postzeitung in Höchst gedruckt worden sein so ist Höchst der Druckort, nicht der Ersten oder der Ältesten, aber einer der ältesten Zeitungen des Landes.

Durch die hohe Zahl an Pressen, nur einem bekannten Buch und den Hinweis das die Postzeitung in Höchst gedruckt wurde, kommt man zu Vermutung das die Druckerei Lipp/Dhumreitter eine reine Lohndruckerei oder Zweigniederlassung der Mainzer war. Vielleicht druckte Adam auch den katholischen Messkatalog der kaiserlichen Buchkommission für seinen Onkel?

1689 erscheint von Anonymous das Werk und Schmähschrift: „Französischer Vielfraß oder …“ mit dem Druckort Höchst und dem Drucker Johann Warheit. Neben dem Namen des Druckers dürfte es sich, auch beim Druckort um ein Pseudonym handeln.

Erst unter den Bolongaros in den 1770er Jahren lässt sich in Höchst wieder eine Drucktätigkeit nachweisen.

5 Der Autor der „Rechtliche Deduction …“ Dr. Pius Felix Caesar.
Die Famillie Caesars war Anfang der 1580er Jahre32 aus Augsburg nach Frankfurt gekommen, wo Pius Felix am 28.11.1590 Bürger wurde und als freier Rechtsanwalt tätig war. Über seinen Bruder Wolff Dietrich Caesar war Pius Felix mit der Familie Cnipus33 verwand und den Buchdruckern um Egenolffs Erben verbunden.
Über Pius Felix Caesar (* um 1565 – † 163534) und noch mehr über seinen Bruder Wolff Dietrich, Zeit in Frankfurt sind wir über viele Akten im Stadtarchiv35 informiert. Pius Felix Caesar begann 1588 ein Jurastudium36 in Marburg und wechselte 1592 nach Basel, wo am 3.1.1593 die Promotion statt fand. Seine ersten größeren Auftrag37 erhielt er mit dem Konkurs des Seidenfärbers Samuel Fontaine in den Jahren 1592/93. Ab 1612 vertrat38 Pius Felix Caesar den Rat der Stadt Frankfurt im Rahmen des Fettmilchaufstand39 gegen die Bürgerschaft, was einen längeren Streit über die Anwaltskosten nach sich zog. Im Laufe des Jahres 1613 drängte Pius Felix selber in die Politik, indem er sich beschwerte, wegen seinem Glauben nicht in die Freie Gesellschaft aufgenommen worden zu sein. Er drohte dem Rat, im Verein mit 80 Niederländern eine neue Gesellschaft zu gründen, falls er nicht aufgenommen werde. Da mit jeder neuen Gesellschaft auch der Anspruch auf Ratssitze erhoben wurde, war seine Drohung dem Rat sehr unbequem und hatte die Befürwortung seiner Aufnahme zur Folge.
Im Sommer 1614 erreichte der Konflikt mit Vincenz Fettmilch, mit der Androhung der Reichsacht und der Plünderung der Judengasse, ihren ersten Höhepunkt. Auch geriet Pius Felix Caesar 1615 in eine persönlichen Auseinandersetzung40 mit Vincenz Fettmilch, was ihn veranlasste literarisch in den Aufstand einzugreifen. Sein Druckgesuch zu „Rechtliche Deduction …“ wurde vom Rat abgeschlagen. Ob die Unruhen, die Rechtsstreitigkeiten wegen den Anwaltskosten oder seiner Forderungen zur Aufnahme in die Freie Gesellschaft dazu beitrugen, lässt sich nicht klären. Tief kann der Konflikt zwischen Pius Felix Caesar und dem Rat nicht gewesen sein, da Johann Bringer im selben Jahr für ihn sein Buch „Epistola exhortatoria“41 druckte und Pius Felix Caesar vom Rat 10 Taler als Anerkennung erhält. Da sein Druckgesuch zu „Rechtliche Deduction …“ vom Rat abgelehnt wurde, standen ihn keiner der Frankfurter Druckereien zu Verfügung. Aber warum ließ er sein Buch bei Dhumreiter in Höchst drucken? Sicher lässt es sich nicht klären, aber es lag vermutlich in der Zugehörigkeit von Höchst zu Kurmainz und damit zur katholisch-kaiserlichen Seite. Pius Felix Caesar versuchte seit einiger Zeit den Druck auf den Rat wegen seinem Honorar zu erhöhen und wendete42 sich 1616 an seine Freunde bei der kaiserlichen Kommission in Höchst43. Vermutlich durch diese Freunde und Besuche in Höchst, erhält er Kontakt zur Höchster Druckerei. Ob direkt vor Ort mit Adam Dhumreiter oder über Lipp in Mainz lässt sich nicht klären. Pius Felix Caesar gibt in dem Kolophon seines Buches zwar an dass er es am 17.11.1614 in Mainz beendet hat, aber Aufgrund der urkundlichen Lage ist nicht zu klären ob seine Aussage stimmt oder er sich zu dieser Zeit im Exil befand. Die Streitigkeiten mit dem Rat fanden in dem Jahr 1616 und nach der Intervention des Kurfürsten ein Ende.
Für Pius Felix Caesar stand die Tätigkeit als Anwalt und juristischer Schriftsteller im Vordergrund. Seine verwandtschaftliche Bindung, durch seinen Bruder Wolff Dietrich Caesar44, zum Verlag Egenolffs Erben ließ ihn lediglich in der Krisensituation der Egenolff Druckerei im Jahre 1602 bis 1605 an diesen Anteil nehmen.
Vermutlich an den Folgen einer Verwundung45 starb Pius Felix Caesar 1635 und wurde am 19.8.163546 in Frankfurt begraben.

6 Literatur und Quellen

ancestry.de Evangelisches Kirchenbuchamt Hannover Stadt oder Distrikt Frankfurt Verfasser Evangelische Kirche Frankfurt (Main)

ancestry.de Mainz, Deutschland, Kirchenindexkarten, 1585-1807

Benzing, Josef: Balthasar Lipp und die Anfänge des Buchdrucks zu Höchst am Main. In Gutenberg-Jahrbuch 1952, S. 133-135

Dietz, Alexander: Frankfurter Handelsgeschichte. Selbstverlag, Frankfurt/M, 1921, Unveränderter Nachdruck Auermann KG, Glashütten im Taunus, 1970, Band 3 S. 1 – 178

Ernst, Lorenz: Das kurmainzische Amt Höchst-Hofheim – Einwohnerlisten 1595-1650 – Teil 1: Stadt Höchst. In : Höchster Geschichtshefte 4, Verein für Geschichte und Altertumskunde e. V. Frankfurt a.M. – Höchst, Frankfurt, 1963

Einwohnerliste des Amte Höchst 1609 HHStAW Fonds No 683

Frischholz, Wilhelm: Alt-Höchst. Verlag R. Th. Hauser, Frankfurt/M, 1926

Kopp, Manfred: Auf dem zweiten Blick Zur Geschichte der Urseler Druckerei 1557-1623. In Jahrbuch Hochtaunuskreis 2016, Frankfurt/M, S. 231-241

Kopp, Manfred: www.ursellis.de

Richter, Günter: Konzessionspraxis und Zahl der Druckereien in Frankfurt a.M. um 1600 : zugl. e. Beitr. zur Gründungsgeschichte d. Offizinen Balthasar Lipp u. Wolfgang Richter. S. 131 – 156. Aus: Archiv für Geschichte d. Buchwesens. 27, 1986. UB FFM Signatur Ffm Kq 3/374

Richter, Günter: Lipp, Balthasar. In Neue Deutsche Biographie (Onlinefassung), S. 647f.

Richter, Günter: Christian Egenolff Erben 1555 – 1667. Frankfurt/M, 1966

Roth, Ferdinand Wilhelm Emil: Die Buchdruckereien zu Höchst. In Nassovia 11 (1910), S. 232-234

Schäfer, Rudolf: Chronik von Höchst am Main. Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt/M, 1987

Schunk, Johann Peter: Beytrage zur Mainzer Geschichte mit Urkunden. Frankfurt, 1788, S. 414-415

Schwarzkopf, Joachim von: Ueber politische und gelehrte Zeitungen, Messrelationen, Intelligenzblätter und über Flugschriften zu Frankfurt am Mayn: Ein Beytrag zu der Geschichte dieser Reichs-Stadt. Jägersche Buchhandlung, Frankfurt, 1802

Würdtwein, Stephan Alexander: Bibliotheca Moguntina, Brügel, 1787, S. 203

www.drucker-marken.de/…/dru…/pdf/Buch_53_Mainzer_drucker.pdf

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