Die Gassen zwischen Römerberg und Dom.

Baldemar von Peterweil beschreibt in seinem „Liber censuum“ (1350) acht Gassen, zwischen Römerberg und Dom, die von der Straße Markt nach Süden abgehen. Bis auf das Rapunzelgässchen und der Höllgasse sind sie heute nicht mehr im Stadtbild erhalten und sind auch im Rahmen des Dom-Römer Projekts nicht rekonstruiert worden.

No. 1: vicus Cordariorum die Seilergasse, wurde im 17./18. Jahrh. zur Rapunzelgässchen.

Urkundliche Ersterwähnung 1350

No. 2: vicus Gladiatorum die Gasse der Schwerter, später auf Deutsch die Schwertfegergasse.

Urkundliche Ersterwähnung 1350

No. 3: vicus Linificum die Leinwebergasse, wurde im 17./18. Jahrh. zur Drachengasse.

Urkundliche Ersterwähnung 1322

No. 4: vicus Calcificum die Schustergasse, wurde im 16./17. Jahrh. zur Goldne Hutgasse.

Urkundliche Ersterwähnung 1341

No. 5: vicus Cerdonum die Gasse der Handwerker, später teilweise die Löher (Gerber) Gasse.

Urkundliche Ersterwähnung 1350 zwischen 1390 und 1452 geschlossen. Noch vor der Zerstörung im 2. Weltkrieg konnte man im Haus Paradies (Markt 27) einen Knick in der Fassade sehen, der zeigte das dieser Teil nachträglich erbaut wurde. Das Handwerkerhöfchen erhielt nach dieser Gasse seinen Namen.

Auch wenn die Textzeugen erst sehr spät anfangen, zeigt es sich in den Namen der Gassen das es sich um ein Handwerkerviertel handelte und sehr alte Gassen sind. Auffällig ist der Verlauf der „ vicus Calcificum“ und der „vicus Cerdonum“ der einen Bogen zu folgen scheint.

In der älteren und auch aktuelleren Forschung wird vermutet das es sich bei dem Viertel um die „Kernstadt“ der östlich gelegenen Königspfalz gehandelt haben könnte und sogar mit einer Mauer umgeben war. Archäologisch ist es nicht zu klären, da der Bereich in 1200 Jahre mehrmals überbaut wurde und es keinerlei Textzeugen gibt. Archäologisch ist nachgewiesen das der Bereich (Pfalz, Römerberg, Bendergasse und Markt) westlich der Königspfalz mit einem roten Tonstaub als Straßenbelag belegt war und deswegen in der Forschung „Roter Platz“ genannt wird. Vermutlich mit dem Bau der ottonischen Stadtmauer dürfte die Mauer geschliffen worden sein und mit dem Verfall der Pfalz auch der Bereich zwischen „ vicus Cerdonum“ und „Höllgasse“ bebaut worden sein.

6. vicus Macellorum, im XV. Jahrh. Macellorum inferius (die niedere Scharn), oder auch im XV. Jahrh. vicum Macellorum inferiorum, später die Lange Scharn/Schirn oder auch Scharngasse.

Urkundliche Ersterwähnung 1316

7. Camerae antiquae, auf Deutsch Unter den alten Tuchgaden

Urkundliche Ersterwähnung 1322

Ohne: Camerae novae, auf Deutsch Neue Gaden

Urkundliche Ersterwähnung 1334 – vor 1408

Ungefähr vom Haus„Grüne Linde“ in einem südwestlichen gehenden Bogen in die Gasse Tuchgaden.

Höllgasse vormals Colmannsgasse (1390)

Urkundliche Ersterwähnung 1336

Die Höllgasse erhielt ihren Namen durch das Haus „Alte Hölle“, auch „Domus ad infernum“ und der baulichen Enge der Gasse. Das Haus „Alte Hölle“ wird heute „Goldene Waage“ genannt.

Wie man an den Namen „vicus Macellorum“, „Camerae antiquae“ und „Camerae novae“ sehen kann handelt es sich um ein Händlerviertel, das erst nach dem Untergang der Pfalz entstanden sind. Zusätzlich könnte man bei dem Begriff „Camerae antiquae“ vermuten, das die Gewölbe zur ehemaligen Pfalz gehörten und die „Camerae novae“ nach dem Tuchgaden entstand.

Diese 9 Gassen zeigen die Stadtentwicklung vom frühen zum hohen Mittelalter und der rechtlichen Entwicklung der Stadt. Nr.1 bis 5 sind die Handwerker die für den Bestand einer Pfalz erforderlich sind. Nr. 6 bis zur Höllgasse zeigen die Entwicklung der Stadt im hohen Mittelalter von einer Pfalz zur einer Stadt und sind ein Händlerviertel.

Ein weiterer wichtiger städtebaulicher Bereich den man vermutlich zum echten alten Frankfurt zählen muss, ist der Bereich um die St. Leonhardskirche, wo seit 200 Jahre erst die Karlspfalz und später der Kammerhof der Pfalz vermutet wird.

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