Spätmittelalterliche Privatgefängnisse in Frankfurt

Im Jahre 1471 trifft Claus Bauare von Solmbach in Frankfurt auf Hans von Thulenberg der ihm 183 Gulden schuldet. Da Hans von Thulenberg die Zahlung seiner Schuld verweigert bringt ihn Claus Bauare vor das Frankfurter Schöffengericht. Nach dem allgemeinen Recht im Reich wurde Hans von Thulenberg in dem städtische Schuldgefängnis im Leinwandhaus untergebracht. Im Verlauf des Verfahrens wurden Claus Bauare die Besonderheiten des Frankfurter Rechtes erklärt, was in Folge zu einem Verfahren von Claus Bauare gegen die Stadt Frankfurt vor dem kaiserlichen Kammergericht in Wien führte und uns einen Einblick in die Privatgefängnisse in Frankfurt zur dieser Zeit gibt.

Seit mindestens 1427 war es Gewohnheit, Herkommen und Recht das der Schuldner maximal 4 Wochen in städtischer Schuldhaft blieb und danach entlassen wurde. Die Grundgebühr für die Haft lag bei 6 Frankfurter Heller und 3 Heller pro Hafttag die der Gläubiger zu tragen hatte. Nach diesen 4 Wochen standen dem Gläubiger das Recht zu den Schuldner auf seinen Kosten unbefristet in einem Privatgefängnis unterzubringen. An diesem Punkt kam es zum Streit zwischen Claus Bauare und Stadt. Claus Bauare besichtigte in Begleitung des Stadtknechtes 3 Gefängnisse in der Stadt. Wegen den Kosten und der Meinung von Claus Bauare das die Betreiber zu lässig in der Unterbringung sind, wurden sie nicht einig in der Sache von Hans von Thulenberg. Thulenberg wurde aus der städtischen Haft entlassen und entkam, wie sich im Verfahren zeigte aus Nachlässigkeit von Claus Bauare, aus Frankfurt. Claus Bauare verklagte in Folge die Stadt auf Übernahme aller Kosten incl. der Schuld von 183 Gulden. Die Inhaftierung bzw. Betrieb der Gefängnisse war an strengen Vorschriften gebunden. Diese Vorschriften dienten eindeutig dem Schutz des Schuldners vor dem Hass seines Gläubigers und erfolgten im Vergleich zum Strafrecht unter erleichterten Bedingungen. Die Zellen, die in Privathäusern lagen, mussten mindesten 9 Fuß in der Höhe, Breite und Tiefe sein. Oberirdisch sein und ein Dach haben. Weder Rauch noch Trauf sollte der Gefangene ausgesetzt sein und im Winter geheizt sein. Der Gefangen durfte nicht angebunden werden und es musste für mindestens 3 Heller am Tag Essen bereitgestellt werden. Alle 14 Tage musste der Gefangene barbiert werden und alle 4 Wochen stand ihm ein Bad zu. Zur Kontrolle wurde der Gefangene alle 4 Wochen dem Schöffengericht der Stadt vorgeführt. In der Haft konnte er jederzeit Besuch empfangen um seine Sachen zu erledigen. Die Privathaft konnte, vorausgesetzt der Kostenübernahme durch den Gläubiger, unbefristet aufrecht erhalten werden. Sollte die Schuld nicht beglichen sein und der Häftling freigelassen worden sein, standen dem Nicht-Bürger oder Nicht-Einwohner Frankfurts frei die Stadt zu verlassen, aber die zivilrechtliche Ansprüche dem Schuldner gegenüber blieben bestehen. Die Schuldhaft konnte von allen Personen in Frankfurt, auch von Auswärtigen, beantragt werden und gegen alle Personen, auch Frankfurter Bürger, verhängt werden. Im Jahre 1472 sind 9 Privatgefängnisse in der Stadt bekannt. Das Haus Hoenberger in der Seckbachergasse, das Salzhaus des Henne Brun am Römerberg, eins in der Krämergasse, eins am Saalhof, ein unbekannter Schreiber unterhielt eins an der Nicolaikirche und vor der Bockenheimer Pforte gab es eins. Die anderen sind unbekannt.

Am 21.11.1472 wurde die Klage von Claus Bauare vom kaiserlichen Kammergericht abgewiesen.

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