Die Michaels-Kapelle (vor 1288 – † 1830, Domplatz)

Dass die Michaels-Kapelle auf dem Kirchhof der Pfarrkirche (Dom) eine Kapelle ist die von Ludwig dem Deutschen zum Bau des Domes niedergelegt wurde und an ihrer neuen Stelle wieder errichtet wurde, ist nicht gesichert.

Die Kapelle auf dem Ulrich-Plan von 1811.

Zum ersten mal wird die Kapelle im Jahre 1288 erwähnt. In diesem Jahr stellten mehrere italienische Bischöfe den Besucher der Kapelle einen Ablass1 aus. 1297 erhält die Kapelle eine eigene Fabrik, 1298 wird „altare inferius“, 1300 „altare superius“ erwähnt, letztere als der Altar über den Gebeinen der Toten. 1304 stiftet Arnold von Glauberg auf der linken Seite des Chors einen Altar zu „Ehren Gottes, der Mutter Gottes und aller Heiligen“ . 1316 soll Johann von Holzhausen die ganze Kapelle ausgebessert haben. Im XIV. war die Glanzzeit der Kapelle als die Familien Holzhausen und Glauburg dort ihre Familiengrabstätten hatten. Bei dem Hochwasser von 1342 wurde die Kapelle von den Fluten verschont. 1486 soll sie am Peter und Paulsfest während dem Kirchweihe vom Blitz getroffen. Am 14.05.1572 wurden bei den Arbeiten zur Bau der Mauer um das Pfarreisen Gebeine ausgegraben und in der Kapelle aufbewahrt.

Aus: Wolff & Jung Die Baudenkmäler in Frankfurt am Main Band I. Kirchliche Bauten

In der Reformationszeit entzogen die Glauburg und Holzhausen der Kapelle ihre Stiftungen und überließen die Kapelle dem Bartholomaeus-Stifte. Zu diesem Zeitpunkt endeten die Gottesdienste in der Kapelle. Erst am 15.09.1665 las hier ein griechisch-katholischer Priester, wohl für Messegäste, eine Messe nach römischer Form. Ab 1676 werde jeden Montag Totenmessen für die in der Kapelle bestattete gelesen. 1728 stiftet der Scholaster Pretz verschiedene Gottesdienste an gewissen Feiertage.

1759 – 1763 diente die Kapelle den Franzosen als Fruchtmagazin und wurde dabei sehr stark in Mitleidenschaft gezogen. Da die Kosten mindestens 5000 Gulden betragen sollte und das Stift die Mittel nicht hatte, unterblieb die Reparatur. Fortan benutzte das Stift sie als Lager und zog schon 1784 die Niederlegung in Betracht. Mit der Säkularisation im Jahre 1803 ging die Kapelle in den Besitz der Stadt über.

1806 wurden die Altäre entweiht, die Gebeine auf dem Domkirchhof verlegt und das Dach repariert und als Warenlager für 650 Gulden jährlich auf zwölf Jahre an Bernhard Brentano und Brentano-Waltz vermietet, die bis zu, 1.10.1825 ihr lager dort hatten. Ihnen folgten die Firmen Gebrüder Müller und vom September 1828 die Firma Heinrich Gontard & Co..

Schon 1818 war die Niederlegung der Kapelle angeregt worden, aber erst neun Jahre später trat der Senat an die Sache heran. Am 2.06.1829 beschloss der Senat die Niederlegung um einen freien Domplatz zu erhalten. Im Dezember 1829 und Januar 1830 erfolgte der Abbruch.

Um 1830

Literatur: Wolff & Jung Die Baudenkmäler in Frankfurt am Main Band I. Kirchliche Bauten 1898, Urkundenbuch Frankfurt Böhmer-Lau, Lersner Chronik I & II, Battonn Band III., Römer-Büchner Die Wahl- und Krönungskirche der deutschen Kaiser…. (Frankfurt 1857), Gwinner Kunst und Künstler, Lotz Baudenkmäler

1Institut für Stadtgeschichte Frankfurt, Bestand: Bartholomäusstift: Urkunden und Akten Signatur 96 vom 11.06.1288, UB Frankfurt Böhmer-Lau No. 545

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