Der erste jüdischer Drucker Frankfurts Chaim ben David Schachor

In den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts fasste der hebräische Buchdruck auch nördlich Alpen in Böhmen, Polen und Deutschland Fuß. In Prag begründete Gerson ben Salomo Kohen Katz 1512 die Druckerdynastie der Gersoniden. Nach der Wende zum 17. Jahrhundert führte die Bak-Familie die hebräische Drucktradition Prags weiter. In Krakau druckten seit den 1530er Jahren die Gebrüder Helicz – zunächst als Juden und nach ihrer Konversion zum Katholizismus als Christen- hebräische und jiddische Bücher. In Lublin fasste der hebräische Buchdruck um 1560 Fuß. In Augsburg war es Chaim ben David Schachor, der 1533 mit dem Druck des Raschi Kommentars zum Pentateuch einer, wenn auch immer wieder unterbrochene, jüdische Druckertradition legte.

Chaim ben David Schachor (Schwar[t]z)
Alternativ: Chajjim ben David Schachow, Chajjim Schwarz, Chajjim ben David Schachow, Chappim ben David Schwarz

Buchdrucker und Holzschneider, *1490 wohl im Prager Ghetto – †1548-54 in Lublin.

Schachor war 1514 – 1526 in Prag im dortigen Offizin von Gerson ben Salomo Kohen Katz (* 1475 in Deutschland; † 1541 oder 1544 in Prag) tätig. Dort war er an einem mit Holzschnitten dekorierten Pentateuch Druck von 1518 beteiligt und er schuf auch die Holzschnittornamente nach Holbein und Dürer zu der von Kohen Passover Haggadah von 1526. Dieses Werk wurde zum herausragenden Vorbild für die nachfolgenden Haggadot und gilt weithin als Meisterwerk. Da Gerson 1529 ein königliches Privileg für den Druck hebräischer Schriften in Böhmen erhalten hatte, musste Schachor Prag verlassen und begab sich nach Oels/Oleśnica (Polen). Dort druckte er zusammen mit David Ben Jonathan einen Pentateuch, den er am 29.7.1530 fertigstellte. 1532/1533 ging Schachor, nachdem ein Sturm seine Druckerei zerstörte, von Oels nach Augsburg.

Von 1533 bis 1544 druckte er in Augsburg auf den Pressen von Silvan (1533-1536) und Valentin Otmar (1540-1544) und 1543/44 teilweise zusammen mit Paulus Aemilius Romanus.

1544 zog Schachor von Augsburg nach Ichenhausen (Bayern), wo er mit seinem Schwiegersohn Josef Ben Jakar zusammen einen Pantaeuch und ein Gebetsbuch druckte und von dort weiter nach Frankfurt Heddernheim weiter zog.

1546 druckte er in Heddernheim mit seinem Sohn Isaak und Josef Ben Jakar den Superkommentar zu Bechai (Bechai = Bachja ben Ascher war ein kabbalistischer Bibelexeget im mittelalterlichen Spanien, gest. um 1340 in Saragossa) von Eliezer Ben Naphtali Herz Treves und einen Selichot.

Simanim al Chidushei HaBachaya. Heddernheim, 1546

Elieser ben Naphtali Herz Treves, genannt Elieser von Frankfurt, (*1498 in Frankfurt/M – †1567 in Frankfurt/M). Von 1531 an lebte Treves in Krakau, wo er Schriften kopierte und wohl den Betrieb des dortigen jüdischen Drucker Halicz kennenlernte. 1541 wurde er in Frankfurt zum Rabbi ernannt und hielt dieses Amt für 20 Jahre inne. Er war in seinem Denken von Ascher Lemlein, eines chiliastisch jüdischen Predigers des frühen 16. Jahrhunderts beeinflusst. Treves wurde von Kaiser Ferdinand I. 1558 in eine Kommission zur Ordnung der jüdischen Gemeinde in Prag berufen. Treves war ein bedeutender Sammler hebräischer Schriften. 1561 hielt er sich in Krakau auf und kopierte die Kommentare Salomon Molchos. 1558 gab Treves in einem Züricher Oiffizin in Auftrag in dem er sich als Drucker bezeichnet. 1595 – 1560 druckte er mit Erlaubnis des Grafen Wilhelm von Sulz in Tiengen (Baden-Württemberg). Aus der dortigen Zeit sind 6 Drucke bekannt.

Literatur:
Pařík, Arno: „Kohen Family.“ YIVO Encyclopedia of Jews in Eastern Europe 18 August 2010. 11 December 2018 <http://www.yivoencyclopedia.org/article.aspx/Kohen_Family>.
Diner, Dan (Hrg.): Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur.
Reske, Christoph: Die Buchdrucker des 16. und 17. Jahrhunderts im deutschen Sprachgebiet,2. überarbeitete und erweiterte Auflage.
Sidorko, Clemens P.: Eliezer Ben Naphtali Herz Treves als Pionier des jüdischen Buchdrucks in Zürich, Tiengen und Basel um 1560. In: Aschkenas. Band 17, Nr. 2.
Petri, Dieter: Die hebräische Druckerei im 16. Jahrhundert. In: Die Tiengener Juden. Schriften des Arbeitskreises für Regionalgeschichte e.V. Nr. 4.
http://www.alemannia-judaica.de/heddernheim_synagoge.htm

 

Schreibe einen Kommentar